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Thema: „G30“: Die absolut unbekannten Drahtzieher der Rentenpolitik !

icon3 „G30“: Die absolut unbekannten Drahtzieher der Rentenpolitik ! Datum: 18.11.2019 , 17:52
Hanse (Administrator)

„G30“: Die absolut unbekannten Drahtzieher der Rentenpolitik


Kennen Sie die „Gruppe G30“? Wahrscheinlich nicht. Dies ist eine Vereinigung, in der frühere Notenbanker mit einer aktuellen Funktion in der Privatwirtschaft oder frühere Privatwirtschaftler aus Banken, die heute Notenbanker sind, sich „freiwillig“ treffen. Das Kernproblem dieser Vereinigung ist der Umstand, dass sowohl die Diskussion wie auch die Informationen aus Zentralbanken direkt in höchste Privatfinanzkreise fließen und umgekehrt. Deutlich wird dies aktuell in den jüngsten „Empfehlungen zur Rentenpolitik“, über die Norbert Häring auf seinem gleichnamigen Blog norberthaering.de schreibt.
Die Rentenpolitik wäre an sich eine gesellschaftliche Aufgabe, die beispielsweise im Parlament in aller Öffentlichkeit leidenschaftlich diskutiert werden müsste. Tatsächlich aber hat sich hier eine „Kungelrunde“ getroffen, die, so der Verdacht, ausschließlich den Interessen der Finanzindustrie dient. Die „G30“ möchte nun ausdrücklich die Rentenkrise bewältigen und hat dazu ein Papier geschrieben: „Fixing the Pension Crisis“.
Das Papier wurde von sechs Personen erschaffen. So war ein Vertreter von BlackRock, ein Vertreter der UBS, der BBVA oder von Santander dabei. Allesamt große Adressen in der Finanzindustrie, die ihr Geld vor allem damit verdienen, Geld für andere anzulegen. BlackRock etwa hat eine Zertifikate-„Fabrik“ für Deutschland aufgebaut und bietet unter dem Namen „iShares“ zahlreiche „ETFs“ an.
Diese Kapitalsammelstellen sind ihrerseits ein politischer Machtfaktor – denn sie verwalten genau das Geld, das beispielsweise die Unternehmen und Staaten am Ende benötigen. ETFs etwa legen nicht nur in Aktien-Indizes an, sondern je nach Ausgestaltung auch in Anleihen, also beispielsweise Staatsanleihen. BlackRock berät zahlreiche Staaten und Zentralbanken auf der anderen Seite des Tisches.
Und damit wird die Sache rund: BlackRock, um diesen wohl größten Player am Markt herauszugreifen, berät hier also als Kapitalsammelstelle die Regierungen. Die Empfehlungen dürften Ihnen bekannt vorkommen:
Das Renteneintrittsalter solle erhöht werden,
Der Staat solle quasi per Zwang dafür sorgen, dass mehr privat „gespart“ und „vorgesorgt“ wird
Aus Rentenzusagen (die wir alle in Form von Rentenbescheiden und -prognosen erhalten), sollten nur zugesagte Rentenbeiträge werden
Der Staat sollte Arbeitgeber unterstützen (mit Steuergeldern), die kapitalgedeckte Betriebsrenten anbieten
Die Politik solle die „Finanzknappheit“ (der Rentenkassen) betonen und den Anspruch auf Alterssicherung in Frage stellen, wie wir dies in Deutschland etwa so noch nicht kennen
Schließlich solle die Rentenpolitik von einer „unabhängigen Stelle“ koordiniert werden, die sowohl das Rentenalter wie auch Reformen vorschreiben bzw. entwickeln könne.
Das ist das Wunschkonzert der G30, die über den Zugang zu den Zentralbanken direkt den Schlüssel zu den Weichenstellern haben. Notenbanken sind der wesentlicher Finanzier der Staaten – und damit der davon abhängigen Regierungen – und insofern mit erheblicher Macht ausgestattet. An sich dürften sie sich mit den Vertretern der Privatindustrie aus der Finanzbranche gar nicht treffen. Das aber wäre natürlich ein paradiesisch unabhängiger Zustand. Tatsächlich regieren die privaten Finanzinstitute mit.
Wenn Sie „vorsorgen“, dann machen Sie dies unabhängig von diesen Vertretern der Finanzindustrie einfach selbst – mit Aktien überragender Unternehmen etwa. „Produkte“, noch dazu initiiert durch die Privatindustrie, benötigen Sie nicht.

Christian Waffenschmidt

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