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Board >>  Politik >>  Soziales >> Das Billige, nicht das Beste!
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Thema: Das Billige, nicht das Beste!
Dummwienix (offline)
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Beiträge: 10
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Mitglied seit: 20.10.2004

Deutschland
icon4   Das Billige, nicht das Beste! #1 Datum: 06.06.2005 , 22:29  

Der ist krank ! “Das Billige, nicht das Beste – Wie Ärzte auf Kosten der Patienten sparen müssen”

Anmoderation Anja Reschke: Ich schwöre bei Appolon jedem Kranken zu nutzen. So lautet der Eid des Hippokrates. Der alte Grieche tat sich mit diesem Versprechen vermutlich leichter als die Ärzte unserer Zeit. Denn die heilen zwar immer besser, nur bezahlen kann das alles keiner mehr. Das Geld reicht nicht, um jedem Patienten die beste Behandlung zu geben. Aber wer soll das teure Medikament kriegen, das vielleicht besser hilft? Der Junge oder der Alte, der Tapfere oder der Leidende? Diese schwere Gewissensfrage überlässt die Politik einfach den Ärzten, die im Endeffekt dann manchmal entscheiden müssen, wer noch eine Chance kriegt und wer nicht.
Nicola von Hollander und Maike Rudolph über die tägliche Rationierung in der Medizin, die von politischer Seite immer noch einfach geleugnet wird. Er ist froh, dass er noch laufen kann - fast hätte er diesen Frühling nicht erlebt.
Günter Dirlam ist Diabetiker. Eine Zehe war ihm abgestorben, musste amputiert werden - Gefahr einer Blutvergiftung. Dirlam wurde in die Klinik geschickt, von dort gleich wieder nach Hause. – Seine Behandlung war der Klinik zu teuer – aber das sagte man ihm nicht. O-Ton Günter Dirlam, Patient Frage: „Mit welcher Begründung hat man sie wieder nach Hause geschickt aus dem Krankenhaus?“ Antwort: „Dass man im Augenblick nichts für mich tun kann. Obwohl ich Schmerzen hatte, wie man sich denken kann, wenn also zwei Zehen so stark entzündet sind, dass sie schwarz färben.“ Für die Operation brauchte Dirlam ein besonderes – teures - Medikament. Er bekam es nicht – aus Kostengründen. Am Ende verlor der Patient zwei Zehen. Sein Hausarzt verhinderte Schlimmeres. Dr. Hans-Herbert Köhler setzte sich für seinen Patienten ein – empört über den wahren Grund der Abweisung –aus dem Arztbrief geht hervor: Der Klinik-Etat war ausgeschöpft.
O-Ton Dr. Hans-Herbert Köhler, Hausarzt „Ich habe das Begleitschreiben vom Krankenhaus gelesen, in dem drin stand, dass sie aus Kostengründen diesen Patienten nicht operieren könnten, denn dieser hätte eine Blutgerinnungsstörung deren Behandlung Kosten ungefähr in Höhe von ungefähr 10.000 Euro ausmachen würde.“ Der Arzt macht Druck. Alle Krankenhäuser arbeiten mit sogenannten Fallpauschalen, das sind rigide Ausgabenobergrenzen. Die Politik hat die Budgets im Gesundheitssystem gedeckelt. Köhler gelingt es schließlich ein anderes Krankenhaus für seinen Patienten zu finden - eines, das noch Geld hat. O-Ton Dr. Hans-Herbert Köhler, Hausarzt „Wenn ich mich nicht stark gemacht hätte in dieser Angelegenheit, dann hätte der Patient deswegen sterben können. Das muss ich einfach ganz deutlich sagen.“
PANORAMA konfrontiert die zuständige Bundesministerin mit dem Fall. O-Ton Ulla Schmidt, Bundesgesundheitsministerin PANORAMA: „Da gibt es Fälle, da werden Leute nach Hause geschickt, weil sie eine teure Medikation brauchen, während einer Operation und werden nicht behandelt.“ Schmidt: „Bringen Sie mir die Fälle und wir werden jedem einzelnen Fall nachgehen. Und wir werden genau dafür sorgen, dass jemand, der schwer krank ist, der darf nicht nach Hause geschickt werden.“ Er aber wurde nach Hause geschickt – das Bundesministerium will seinen Fall prüfen.
Sparen ist sinnvoll – aber sind rigide Ausgabengrenzen für ALLE Ärzte sinnvoll ? Ist dem einzelnen Arzt aufzubürden, zu entscheiden, wem er hilft und wem nicht ? Ulla Schmidt leugnet das Problem standhaft. – Für sie schwer zuzugeben, dass Ärzte nicht jedem Patienten das Beste geben können, nur das Billige. O-Ton Prof. Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer „Das ist Alltag, das kommt ganz oft vor, weil von uns verlangt wird, die preisgünstigste Verordnung und die preisgünstigste Form der Behandlung durchzuführen und nicht diejenigen, die nach dem Stand der Wissenschaft die mutmaßlich besterfolgreiche ist.“ Universitätsklinik Hamburg. Der Chef der Kardiologie, Prof. Thomas Meinertz, kann seinen Geldtopf bis zur verordneten Ausgabenobergrenze selbst einteilen – solange der Vorrat reicht. Und der ist begrenzt. Die Ärzte müssen rationieren.

Ein Beispiel: Nicht jeder Infarkt gefährdete Patient bekommt die besten Stents. – Stents, das sind Röhrchen, die die Blutgefäße offen halten, um lebensgefährliche Verstopfung zu verhindern. O-Ton Prof. Thomas Meinertz, Kardiologe „Die beschichteten Stents sind besser als die nicht beschichteten Stents und wir sind aus finanziellen Gründen nicht in der Lage, allen Patienten die besseren Stents zu geben. Ist gar keine Frage, wenn wir das machen würden, dann könnten wir nur die Hälfte der Patienten behandeln und würden die anderen unbehandelt lassen – das ist Rationierung im Gesundheitssystem.“
O-Ton Ulla Schmidt, Bundesgesundheitsministerin „Eine Rationierung medizinisch notwendiger Leistungen ist in Deutschland nicht zulässig und sie findet auch nicht statt.“
Ein politisches Tabu zuzugeben, dass Patienten unterschiedlich behandelt werden. Dr. Wilfried Wernitz ist Neurologe, hat junge Psychotiker und Demenz Kranke Alte in Behandlung. Jeder seiner Patienten benötigt teure Medikamente. Nicht allen kann er sie geben – sein täglicher Gewissenskonflikt.
O-Ton Dr. Wilfried Wernitz, Neurologe „Diese ständige, innere Schere im Kopf, was ich dann eigentlich nicht unterlassen müsste an möglicherweise optimaler Therapie. Das ist dieser Konflikt in dem wir drin sind und der für uns und für mich persönlich jedenfalls sehr, sehr schwer auszuhalten ist. Und der mich eigentlich sehr unzufrieden macht und mich am liebsten meinen Beruf an den Nagel hängen ließe.“
Der Arzt musste schon Behandlungen aus eigener Tasche zahlen, die er für medizinisch sinnvoll hielt, für die sein Budget aber nicht reichte. Nicht jeden seiner Patienten kann der Arzt am medizinischen Fortschritt teilhaben lassen. Bedingt durch die rigiden Etatgrenzen meint er, Alte und Junge gegeneinander ausspielen zu müssen.
O-Ton Dr. Wilfried Wernitz, Neurologe „Wenn ich dem relativ jungen psychotisch Kranken, diese teuren Mittel gebe, heißt es ja für mich, dass ich den Älteren, der vielleicht unmittelbar nach ihm kommt eigentlich das Mittel nicht geben darf, denn dann würde ich ja mein Budget überschreiten. Und dieser Konflikt wird eigentlich von meiner Seite immer so entscheiden, dass ich’s den Jüngeren gebe. Das muss ich ganz ehrlich sagen, auch wenn ich mir jetzt viele meiner Patienten vergraule.“
O-Ton Ulla Schmidt, Bundesgesundheitsministerin PANORAMA: „Altersrationierung gibt es im deutschen Gesundheitswesen also nicht ?“ Antwort: „Es gibt gesetzlich keine Rationierung, sondern im Gesetzbuch steht: Jeder erhält das, was medizinisch notwendig ist, was ausreichend ist. Aber alle Beteiligten im Gesundheitswesen sind aufgerufen, diese Leistungen auch wirtschaftlich zu erbringen und Verschwendung zu vermeiden.“ Verschwendung vermeiden. – Das muss sein.
Aber sollen die Ärzte entscheiden, wem sie etwas geben? Selbst Kindern wird das medizinisch Sinnvolle vorenthalten. Die vierjährige Lucy-Anne. Diagnose: Hirntumor. Chemotherapie macht krebskranke Kinder anfällig für Pilzinfektionen – dagegen gibt es billige und teure Präparate. – Die Billigen haben häufig Nebenwirkungen. O-Ton Dr. Michaela Nathrath, Ärztin „Die Nebenwirkungen sind sowohl akut Fieber, Schüttelfrost aber auch während der Zeit der Therapie, vor allem die Niere, die in Mitleidenschaft gezogen wird. Wir werden dann immer mehr dazu gezwungen dieses billigere nebenwirkungsreichere Medikament zu wählen, weil das teurere Medikament zwar das bessere ist, aber zu teuer, um es im klinischen Alltag bei jedem Patienten , bei dem wir eine Behandlung vornehmen müssen, einsetzen zu können.“ Eine Zumutung für Kinder wie Lucy-Anne.
Auch diesen Fall schildern wir der Bundesgesundheitsministerin – ihre Antwort:
O-Ton Ulla Schmidt, Bundesgesundheitsministerin „Wenn es so wäre, dann wäre es ein schlechter Arzt, der nicht dafür sorgen würde, dass wenn es bessere Mittel gäbe, die auch zugelassen sind, auch für diese Erkrankung, auch zulässig sind in der Behandlung der Krankheit, wenn er nicht mit den Eltern danach suchen würde, dass man wirklich zu einer guten, zielgenauen Behandlung auch kommt. Ich kann mir das nicht vorstellen....“ Aber für Ärzte und Patienten ist das Realität. Politiker wollen davon nichts wissen – die Verantwortung liegt offensichtlich wieder beim Arzt, Tag für Tag.
Unglaublich !
Denken ist wohl doch Glückssache!
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