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Board >>  Politik >>  Wirtschaftswachstum >> Rekord selbstgestrickt!
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Thema: Rekord selbstgestrickt!
Dummwienix (offline)
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Beiträge: 10
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Mitglied seit: 20.10.2004

Deutschland
icon10   Rekord selbstgestrickt! #1 Datum: 02.02.2005 , 22:53  

Unglaublich, einfach behämmert Künstliche Aufregung um offizielle Arbeitslosenzahl von fünf Millionen. Clement, Rürup und Co. träumen von »Trendwende«
Die Aufregung ist groß: Erstmals in der Geschichte der BRD hat im Januar die offiziell zugegebene Zahl der Arbeitslosen die Fünf-Millionen-Grenze überschritten. Quer durch alle Parteien überschlugen sich am Mittwoch die Politiker mit gespielter Besorgnis: »Schreckliche Zahlen« (Bundesarbeitsminister Wolfgang Clement, SPD), »Skandal« (CDU-Chefin Angela Merkel), Kanzler Gerhard Schröder sei an »der wichtigsten Aufgabe für Deutschland gescheitert« (CSU-Chef Edmund Stoiber), »hausgemachte Arbeitslosigkeit« (FDP-Chef Guido Westerwelle).

Sie alle wissen seit langem, daß die Statistik nur einen Teil der Realität widerspiegelt und daß die tatsächliche Zahl der Arbeitslosen über sieben Millionen liegt. Seit dem 1. Januar werden aufgrund der Hartz-Gesetze zumindest die arbeitsfähigen Sozialhilfebezieher auch offiziell mitgerechnet – ein willkommener Anlaß für die bürgerlichen Parteien, sich wieder einmal mit viel Theaterdonner in Szene zu setzen.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg meldete gestern für den Januar 5,037 Millionen Arbeitslose – rund 573000 mehr als im Dezember. BA-Chef Frank-Jürgen Weise erklärte dazu, die Arbeitslosigkeit sei nicht größer geworden, sondern werde durch die Einbeziehung der Sozialhilfeempfänger »umfassender abgebildet«. Clement ging im ZDF einen Schritt weiter: Ohne staatliche Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen läge die tatsächliche Arbeitslosigkeit bei etwa 6,5 Millionen.

Bert Rürup, der im März den Vorsitz im Wirtschafts-Sachverständigenrat der Bundesregierung übernimmt, warnte davor, die Zahlen als »arbeitsmarktpolitische Katastrophe« zu deuten. Die Hartz-Gesetze seien richtig, sie würden ihre Wirkung »in dem Maße entfalten, wie die Konjunktur anzieht«. Im Laufe des Jahres sei eine Trendwende auf dem Arbeitsmarkt zu erwarten – ein Versprechen, das Clement schon vor einigen Tagen abgegeben hatte.

Die »Reformen« müßten unbeirrt durchgezogen werden, forderten denn auch Politiker aller bürgerlichen Parteien. Dieter Hundt, Präsident des Bundesverbandes der Arbeitgeber legte noch eins drauf mit seiner Forderung nach weiteren Einschnitten bei den Beschäftigten und bei der Arbeitsmarktpolitik.

Besser als Hundt könne man »die Ignoranz der deutschen Unternehmerelite gegenüber den arbeitenden Menschen nicht unter Beweis stellen«, kritisierte IG-Metall-Chef Jürgen Peters. »Die Arbeitsplatzlücke hat eine Dimension erreicht, die sich nicht durch Mathematik, sondern nur durch einen grundlegenden Wechsel in entscheidenden Feldern der Politik bekämpfen läßt.«

Der Bundesgeschäftsführer der PDS, Rolf Kutzmutz, erinnerte daran, daß Kanzler Schröder sich vor sechs Jahren am Abbau der Arbeitslosigkeit messen lassen wollte. Notwendig seien jetzt politische Konzepte, die nicht die Arbeitslosen, sondern die Massenarbeitslosigkeit bekämpfen.

Kritische Wirtschaftswissenschaftler hatten mehrfach darauf hingewiesen, daß das von Clement angepeilte Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent keineswegs zu mehr Beschäftigung führt. Sie fordern, der Staat müsse den Binnenmarkt stärken. Die dazu nötigen Konjunkturprogramme müßten durch Kredite oder durch effektivere Unternehmensbesteuerung finanziert werden müßten. Aufgrund zurückgehender Kaufkraft hat der Binnenmarkt jedoch weitere Einbußen erlitten: Ebenfalls gestern teilte das Statistischen Bundesamt mit, der Einzelhandelsumsatz sei im Dezember weiter um 2,7 Prozent zurückgegangen. Unglaublich !
Denken ist wohl doch Glückssache!
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Gast (Aktionär)









icon10   Re: Rekord selbstgestrickt! Taktischer Schnitzer #2 Datum: 28.02.2005 , 22:37  

Taktischer Schnitzer
Profitmaximierung ist das Maß aller Dinge im Kapitalismus. Nur darf man es nicht so laut und dreist in die Welt posaunen wie der Chef der Deutschen Bank.

Die Nation hat einen neuen Buhmann, und der heißt Josef Ackermann. Seit der Chef der Deutschen Bank vor zwei Wochen stolz die tiefschwarzen Zahlen seines Konzerns präsentierte und zugleich auf einen wohlerprobten Weg verwies, den satten Gewinn von 2,5 Milliarden Euro von 2004 im kommenden Jahr erneut zu überbieten, heulte ein Sturm der Entrüstung durchs Land. »Arbeitnehmer« dürften nicht zu »Kostenfaktoren mit Ohren« herabgestuft werden, empörte sich der stellvertretende SPD-Vorsitzende Kurt Beck. Für viele Menschen »nicht nachvollziehbar« sei das Verhältnis von Rendite und Beschäftigung, empfand Angela Merkel. »Eine Geschmacklosigkeit, eine Unfähigkeit«, wetterte CSU-Chef Edmund Stoiber. Einige SPD-Funktionäre, die in der »Hartz-IV«-Diskussion nicht eben durch kritische Positionen aufgefallen waren, riefen sogar zum Boykott des Institutes auf. »Wo bitte ist bei allem Gewinnstreben die strategische Perspektive geblieben?« moserte unter der Überschrift »Rendite statt Perspektive« sogar das Handelsblatt, und auch Neu-BDI-Chef Jürgen Thumann stellte plötzlich fest, Eigenkapitalverzinsung dürfe nicht zum alleinigen Maßstab werden.

Was hat Ackermann falsch gemacht? Die Antwort lautet: Nichts. Jedenfalls nicht, wenn wir das, was heute gängig und üblich ist, zum Maßstab nehmen. Der Bankchef hat angekündigt, die Rendite seines Unternehmens auf 25 Prozent zu steigern und zu dem Zweck weitere 6500 Jobs zu vernichten. Ja, und? Gibt es einen deutschen oder europäischen Konzern, der etwas anderes tut? Hat Ackermann in der Vergangenheit etwas anderes getan?

Die derzeit von der Deutschen Bank bereits erreichten 19 Prozent Eigenkapitalrendite sind das unmittelbare Ergebnis Zehntausender bereits vernichteter Arbeitsplätze. Weil der Konzern damals noch nicht so fette Profite schrieb, fiel das offenbar nicht so negativ auf. Aber wo fangen »fette Profite« an? Ackermann könnte mit gutem Recht etwa auf die niederländische Großbank ABN Amro verweisen, die dieser Tage einen Rekordgewinn von 3,7 Milliarden Euro vermeldete, damit eine Eigenkapitalrendite von 28,2 Prozent erreicht hat und ebenfalls ankündigte, im kommenden Jahr über 2 000 Jobs zu streichen. Weshalb jedoch bei 28 Prozent stehenbleiben? 30 Prozent Profitrate sind besser, 40 Prozent wären auch nicht schlecht ...

Business as usual, auch hierzulande. Gut ein Fünftel ihrer Beschäftigten haben Großunternehmen in Deutschland seit 1996 auf die Straße geworfen. Einige tausend bei Siemens, einige tausend bei der Deutschen Telekom, unzählige bei den Autokonzernen, den Einzelhandelsriesen und den diversen Banken. Daß die im deutschen Aktienindex Dax gelisteten Konzerne in einem Umfeld wirtschaftlicher Stagnation, ja Rezession derzeit wieder Rekordprofite einfahren, verdanken sie – neben den ihren Beschäftigten rüde abgepreßten Lohnsenkungen – vor allem dieser Strategie. Das ist nichts Neues, das ist nichts Besonderes, das ist einfach freier Kapitalismus.

Und diejenigen, die ihn Jahr für Jahr immer freier und enthemmter haben werden lassen, haben kein Recht, sich jetzt über sein Gebaren zu empören. Anders als der Bundeskanzler tut Ackermann verläßlich das, was die, die ihn ins Amt gewählt haben, von ihm erwarten. Er ist dabei derzeit erfolgreicher als etwa DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp, aber in den Zielen und auch hinsichtlich der Mittel unterscheidet ihn nichts von diesem oder anderen Konzernbossen.

Warum dann die Aufregung? Weil Ackermann einen Fehler tatsächlich gemacht hat. Nicht in der Sache, sondern im Reden über die Sache. Die kraftstrotzend-arrogante und selbstverständliche Art, mit der er die Zerstörung der sozialen Existenz vieler in eins gefaßt hat, rüttelt zugleich an der Fundamentallüge Schröderscher und jeglicher neoliberaler »Reformpolitik« und letztlich an der bestehenden Wirtschaftsordnung selbst. Denn – anders als für Angela Merkel – dürfte »das Verhältnis von Rendite und Beschäftigung« durch Auftritte à la Ackermann für immer mehr Menschen ausgesprochen »nachvollziehbar« werden. Aber genau das ist es, was nicht sein darf, schon gar nicht angesichts von fünf Millionen (offiziell) Arbeitslosen und drei Millionen verdeckt Erwerbsloser.

Ackermann wird als Zielscheibe für allgemeine Entrüstung freigegeben, um die Regel als Ausnahme zu verbrämen, um möglichst zu verhindern, daß mehr und mehr Leute beginnen, sich Gedanken übers Allgemeine zu machen. Deshalb das plötzliche, fast antikapitalistisch anmutende Rumoren bis in den BDI hinein. Sorgen um die Zukunft des Shareholder-Value in Deutschland muß man sich deshalb nicht machen. Ebenso einmütig, wie Schröder und Thumann den unerwünscht offen profitfreudigen Banker mißbilligen, basteln sie bereits an neuen Steuergesetzen, um ihm das Erreichen seiner Ziele weiter zu erleichtern.

Sahra Wagenknecht
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Dummwienix (offline)
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Deutschland
icon7   Re: Rekord selbstgestrickt! #3 Datum: 20.08.2011 , 23:35  

Unglaublich !
Wenn man richtig rechnet, sind es nicht 3,188, sondern 4,330 Millionen. Diese Differenz von rund 1,1 Millionen setzt sich zusammen aus denen, die arbeitslos, älter als 58 sind und ALGI beziehen (0,35 Millionen), aus den Ein-Euro-Jobbern (0,32 Millionen), den Menschen in beruflicher Weiterbildung (0,19 Millionen) und denen in Eingliederungsmaßnahmen (0,2 Millionen).

Aber das ist noch nicht alles. Im vergangenen Juni teilt das Statistische Amt mit, daß 8,6 Millionen Menschen eine Arbeit suchen. 3,2 Millionen sind registrierte Erwerbslose, 1,2 Millionen gehören zur »Stillen Reserve« (die sind nirgendwo gelistet, suchen aber dennoch eine Stelle). Weitere 4,2 Millionen haben eine Arbeit, die aber nicht zum Leben reicht.

Denken ist wohl doch Glückssache!
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